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Theater an der Ruhr

Das Theater an der Ruhr wurde 1980 als alternatives Modell, als ein Ensembletheater neuen Typs gegründet. Es war der Versuch, eine ganz eigene Antwort auf die bis heute andauernde Debatte um die Strukturen in der vom Stadttheater dominierten Theaterlandschaft in Deutschland zu finden.

 

Das Modell

Für die Gründer Roberto Ciulli, Helmut Schäfer und Gralf-Edzard Habben standen drei Gedanken im Zentrum: das Primat der Kunst gegenüber dem Apparat, die Idee des Ensembles, das alle Mitarbeiter:innen des Theaters mit gleichen Verträgen einschließt, und die Idee des Reisens. Das Theater ist inzwischen in mehr als 50 Ländern zu Gast gewesen und hat Künstler:innen aus aller Welt nach Mülheim geholt, darunter als erstes deutsches Ensemble nach der Islamischen Revolution beim Internationalen Theaterfestival Fadjr in Teheran und 1989 als erstes bundesdeutsches Theater mit einer Premiere im Ausland: Heinrich von Kleists „Das Käthchen von Heilbronn" in Ljubljana.

Seit der Gründung umfasst der Begriff „Ensemble" alle Mitarbeitenden, nicht nur die Künstler:innen auf der Bühne. Hohe personelle Kontinuität, einheitliche Verträge und flache Hierarchien schaffen die Grundlage für kollektives, eigenverantwortliches Arbeiten.

Das Modell hat sich über Jahrzehnte weiterentwickelt. Partizipative Projekte wie die generationsübergreifende Bürgerbühne VOLXBÜHNE, eine intensive Kinder- und Jugendarbeit sowie kontinuierliche internationale Koproduktionen sind feste Bestandteile der Arbeit geworden. Seit Sommer 2024 verantwortet ein kollektives künstlerisches Programmteam die inhaltliche Ausrichtung des Hauses.

Seit der Spielzeit 2023/24 bestimmen thematische Zyklen die Arbeit: Drei jeweils mehrwöchige Theaterinseln mit Theaterprojekten, Diskursen, Workshops, bildender Kunst und teilhabeorientierten Formaten zu einem die Spielzeit überspannenden Thema ersetzen den klassischen Repertoirebetrieb. In den Zwischenzeiten rücken zielgruppenorientierte Projekte, internationale Reihen sowie Angebote für Kinder und Jugendliche in den Fokus.

Bei aller Unterschiedlichkeit sind die Arbeiten des Theater an der Ruhr von der Idee der kollektiven Intelligenz getragen und verstehen sich als politisch im Sinne eines kommunikativen, öffentlichen Vorgangs, als Entwürfe von Welten, die im Tagespolitischen nicht zu finden sind.

Auszeichnugen

Die Arbeit des Theater an der Ruhr wurde mehrfach bundesweit anerkannt. Roberto Ciulli erhielt 1996 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, 2013 den Staatspreis des Landes NRW und 2019 den Deutschen Theaterpreis „Der Faust" für sein Lebenswerk. 2021 wurde das Theater an der Ruhr mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet.

Der Ort

Seinen Sitz hat das Theater an der Ruhr in einem ehemaligen Solbad im Raffelbergpark an der Stadtgrenze von Mülheim an der Ruhr. Es ist ein Ort der Begegnung, des Dialogs, ein Haus, das offen ist für jeden und jede. Das Foyer wandelt sich permanent vom Ausstellungsraum zum Ort für Empfänge oder zum Treffpunkt für ein junges Publikum. Menschen aus aller Welt und aller Altersstufen kommen hier zusammen und machen das Haus zu einem lebendigen Ort des gegenseitigen Kennenlernens und des Austauschs.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Solbad auf den Ländereien des historischen Hofguts Raffelberg erbaut. Das Theater an der Ruhr bezog 1981 das Kurhaus und nutzte den alten Kursaal als Aufführungsstätte. Von 1994 bis 1997 wurde das denkmalgeschützte Haus saniert und zu einer festen Spielstätte umgebaut. Heute bietet der Theatersaal Platz für 200 Zuschauer:innen, ca. 50 feste Ensemblemitglieder arbeiten in den Räumen des ehemaligen Kurhauses. Das Theater im Raffelbergpark entwickelte sich seit seiner Wiedereröffnung zu einem für das Ruhrgebiet einzigartigen Kulturort, der sich durch sein historisches Ambiente in der unter Denkmalschutz stehenden Parklandschaft und durch sein inhaltliches Angebot als das „andere“ Theater in der Region und deutschlandweit etabliert hat.

Der Ort ist mehr als ein Aufführungsraum. Das Foyer wechselt zwischen Ausstellungsraum, Veranstaltungsort und Treffpunkt für alle Menschen der Stadt.

Hörspiel zur Geschichte des Raffelbergparks und des Solbads

Begeben Sie sich auf eine Reise durch die Geschichte des Raffelbergparks und des Solbads. Gesprochen von Marie Schulte-Werning.

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